Beitragsvergleich Krankenversicherung

 

Gesundheitsreformen

Alle seit 1976 bis zum Jahre 2004 vorgenommenen Gesundheitsreformen auf einen Blick, 13 an der Zahl.

Als Gesundheitsreform werden Änderungen zu den Rahmenbedingungen der Krankenversicherung bezeichnet, meist betreffen diese Änderungen nur den Teil der gesetzlichen Krankenversicherung. Dabei läßt der Name „Gesundheitsreform“ darauf schließen, daß sich durch die geplanten und umgesetzten Anpassungen der Versicherungsschutz in der (gesetzlichen) Krankenversicherung verbessert. Wahr ist aber leider, daß durch Gesundheitsreformen meist Leistungseinschränkungen und höhere Eigenbeteiligungen eingeführt werden.

Ein Überblick über die Gesundheitsreformen in der Vergangenheit:

  • Gesundheitsreform 1976: die Beiträge der gesetzlichen Rentenversicherung zur Krankenversicherung der Rentner wurde von 17 % auf 11 % abgesenkt, um eine Rentenerhöhung durchführen zu können. Diese Maßnahme war umstritten, unterstellte man doch eine „Rentenlüge“ zugunsten eines Wahlerfolges in der Bundestagswahl 1976 seitens der SPD.
  • Gesundheitsreform 1977: Verabschiedung des „Kostendämpfungsgesetzes“. Als Folge hiervon werden bestimmte Medikamente gar nicht mehr bezahlt , für andere Medikamente eine Zuzahlung von 1 DM für Medikamente und 2,50 DM für Rezepte beschlossen. Die Zuschüsse für Zahnersatz wurden gekürzt. Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung von Familienmitgleidern.
  • Gesundheitsreform 1982: Verabschiedung des Kostendämpfungs-Ergänzungsgesetzes, damit Erhöhung der Zuzahlungen auf 1,50 DM bzw. 4 DM, auch für Brillen. Für Zahnersatz wurden bestimmmte Leistungen auf 60 % begrenzt und die beitragsfreie Familienversicherung weiter eingeschränkt.
  • Gesundheitsreform 1983: mit dem Haushaltsbegleitgesetz wurden Zuzahlungen für Medikamente auf 2 DM erhöht, für den Krankenhausaufenthalt wurde eine Zuzahlung von 5 DM pro Tag für maximal 14 Tage beschlossen. Krankenversicherung der Rentner wurde beitragspflichtig und auf das Krankangeld wurde eine Beitragspflicht zur Rentenversicherung und zur Arbeitslosenversicherung eingeführt.
  • Gesundheitsreform 1989: das Gesundheitsreformgesetz führt eine Staffelung der Zuzahlungen bei Arzneimitteln und Verbänden ein. Bis 30 DM sind 3 DM Zuzahlung fällig, bis 50 DM wurden 5 DM eingeführt und darüber hinaus 7 DM. Die Zuzahlungen bei Krankenhausaufenthalt stiegen auf 11 DM pro Tag für maximal 14 Tage. Die Negativliste für Medikamente und die Zuzahlung im Bereich der Zahnbehandlung wurde eingeführt, die Leistungen für Kieferothopödie bei Erwachsenen wurden gestrichen.
  • Gesundheitsreform 1993: mit dem Gesundheitsstrukturgesetz wurden die Zuzahlungen für Medikamente nach Packungsgröße gestaffelt mit 4 DM, 6 DM und 8 DM, die Eigenbeiteiligung im Krankenhaus wurde um 1 DM pro Tag erhöht, ebenso erhöhte Zuzahlungen im Bereich des Zahnersatzes. Die Budgetierung der Krankenkassen wurde ins Leben gerufen.
  • Gesundheitsreform 1996: das Beitragsentlastungsgesetz streicht die Zahnersatzleistungen für ab dem 01.01.1979 Geborene. Streichung der Leistungen zu Brillengestellen, höhere Eigenbeteiligung bei Kuren, Senkung des Krankentagegeldes auf 70 % bis max. 90 % des Nettoverdienstes.
  • Gesundheitsreform 1997: das GKV- Neuordungsgesetz erhöht die Eigenbeteiligung für Arzneimittel auf 9 DM, 11 DM und 13 DM und für den Krankenhausaufenthalt auf 14 DM pro Tag. Einführung von höheren Eigenbeteiligungen bei Fahrtkosten und Festlegung von Festzuschüssen beim Zahnersatz.
  • Gesundheitsreform 1999: mit dem Solidaritätsstärkungsgesetz wurden die Festzuschüsse und die Einschränkungen für nach dem 31.12.1978 Geborene wieder gestrichen, stattdessen eine Erstattung für Zahnersatz auf 50 % festgesetzt. Zudem wurden die Eigentbeteiligungen für Arzneimittel auf 6 DM, 9 DM und 10 DM gesenkt.
  • Gesundheitsreform 2000: die GKV-Gesundheitsreform verschärft die Budgetierung für Arzthonorare und sieht Regresse bei Überschreitung vor. Deweiteren wird ein Budget für die Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen eingeführt, medizinisch umstritte Leistungen wurden aus dem Leistungskatalog der GKV gestrichen. Stärkung des Rehabilitationsgedankens und des Patientenschutzes. Im Bereich der privaten Krankenversicherung wird eine zusätzliche Altersrückstellung zur Stabilisierung der Beiträge ab dem 65. Lebensjahr in Höhe von 10 % Pflicht.
  • Gesundheitsreform 2001: Gesetz zur Ablösung des Arzneimittel und Heilmittel Budgets
  • Gesundheitsreform 2002: Gesetz zur Begrenzung der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung; Beitragssatzsicherungsgesetz, Kürzung des Sterbegeldes, weitere Verschärfung der Budgetierung.
  • Gesundheitsreform 2004: mit dem Gesetz zur Moderniseirung der gesetzlichen Krankenversicherung wird die Praxisgebühr eingeführt, Fahrtkosten, Brillenleistungen, Entbindungsgeld und Sterbegeld werden komplett gestrichen. Der Eigenanteil für Arzneimittel, Hilfsmittel und Verbandmittel beträgt nun 10 %, maximal 10 € minimal 5 €. Pro Tag Krankenhausaufenthalt beträgt der Eigenanteil 10 € für maximal 28 Tage. Arbeitgeber und Arbeitnehmer wurden bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung entlastet, dafür haben Arbeitnehmer einen Sonderbeitrag zu zahlen. Für Zahnersatz sollte ein zusätzlicher Beitrag alleinig von Arbeitnehmern erhoben werden, diese Regelung wurde jedoch gekippt.

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Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 17. September 2008 um 21:17 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie gesetzliche Krankenversicherung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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3 Comments

  1. […] gestiegenen Krankenkassenbeiträge, die Zusatzbeiträge, die erhoben werden dürfen, die ständigen Streichungen aus dem Leistungskatalog – und nun soll auch noch die Pflegeversicherung wieder gekürzt […]

    Pingback: Pflegeversicherung mit Karenzzeit? – 03. Mai 2011 @ 12:24

  2. […] in der gewählten, neuen gesetzlichen Krankenkasse versichert. Es besteht sofort ein Anspruch auf den gesamten Leistungskatalog, ohne Anwartschafts- oder Wartezeiten.“, hieß es deshalb auch in der Presseerklärung […]

    Pingback: Wechsel der Krankenkasse nach Pleite ganz einfach? – 24. Mai 2011 @ 13:02

  3. […] Gesetzlich Krankenversicherte hat genau dieses Geld übrig. Die Folge, die sich auch nach der Einführung der Praxisgebühr zeigte, wäre deutlich: die Versicherten gehen weniger häufiger zum Arzt. Eigentlich eine […]

    Pingback: Gesetzliche Krankenkassen: Praxisgebühr oder Kassengebühr? – 12. Dezember 2011 @ 14:06

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